Scrambler, wofür die Mopeds eigentlich gedacht sind

Der Geist des Cafe Racers
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f104wart
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Re: Scrambler, wofür die Mopeds eigentlich gedacht sind

Beitrag von f104wart » Mo 17. Apr 2017, 15:57

bikebomber hat geschrieben:Ich baue an meinem Caferacer seit fast einem Jahr, aber ich versuche es richtig zu machen.
Ich weiß, was Du meinst und bin voll bei Dir, aber genau daran scheiden sich eben die Geister.

Es geht aber hier eigentlich auch nicht darum, was "richtig" und was "falsch" ist, sondern um das Terrain, wofür ein Scrambler ursprünglich gedacht war und das, wo er sich heute überwiegend (noch) bewegen darf und wo nicht.


Der Scrambler ist - ähnlich wie auch die Cafereacer der 60er Jahre - ursprünglich aus Serienmaschinen entstanden und ist der Vorläufer einer Enduro, die, wie der Scrambler auch, eine Mischung aus Gelände- und Strassenmaschine ist. Und deshalb auch sowohl auf der Strasse wie auch (bedingt) im Gelände zu Hause sind.

Insofern kann man ein ehemaliges Strassenmotorrad, das mit (halbwegs) geländetauglichen Reifen ausgerüstet wurde, einen breiten und stabilen Lenker erhalten hat und dessen Auspuffanlage nach oben verlegt wurde, durchaus schon als Scrambler bezeichnen. ...Genau so sind sie urprünglich entstanden.


Mit Deinem Caferacer, den Du Dir gerade baust, hat das nichts zu tun und ist ein ganz anderes Thema. Ebenso wie die Hipstermühlen, die sich gerne Caferacer nennen, aber in Wirklichkeit meist eine Mischung aus allen möglichen Stilrichtungen sind.


Und jetzt komme ich selbst auch vom eigentlichen Thema ab...

Die Hipster-Kultur ist ein Produkt der Neuzeit und ähnlich entstanden wie damals die Caferacer Szene. Es geht im Grunde darum, bestehende soziale Strukturen zu "hinterfragen" und anders zu sein. Individuell. Sich irgendwelchen Klischees zu widersetzen.

Der Hipster definiert sich über seine Andersartigkeit und adaptiert dazu das, was er für sich als passend empfindet. Ob´s nun die Holzfällerhemden sind, die Schnürstiefel oder das Moped, das dann gerne und fälschlicherweise als "Caferacer" bezeichnet wird.

Das Moped muss - im Gegensatz zum echten Caferacer - nicht besonders gut fahrbar und nicht wirklich schnell sein, es muss nur "individuell" aussehen und auf ein Minimum zusammengeflext werden, damit es schnell und minimalistisch aussieht.

Hier geht es, wie schon gesagt, weniger um die Fahrbarkeit als vielmehr um die Optik, den Spaß am Umbauen und das schnelle Aussehen.


Man mag davon halten, was man will. Dem Hipster haben wir es zu verdanken, dass die Mopeds, die er für sich entdeckt hat, nicht weiter in einer feuchten Scheune oder einer dunklen Garagenecke vor sich hin gammeln.

Der Rost wird mattschwarz überlackiert und die rostigen Krümmer liebevoll in Hitzeschutzband gehüllt. Das von Mäusen zerfressene Sitzsofa weicht einem mehr oder weniger gepolsterten Bügelbrett und die durchgegammelten Endschalldämpfer werden durch irgendwelche Krawalltüten aus dem Zubehör ersetzt. Um die Sprotlichkeit noch etwas mehr zu be"tonen", kommen noch offene LuFis drauf. Den Tribut der Leistungseinbuße zahlt man gerne, denn mit durchgeschobener Gabel, gekürztem Heck begrenztem Federweg und eingeschränkter Schräglagenfreiheit ist die Performance nur noch zweit- und drittrangig.

Mit der Individualität ist es längst vorbei. Kennst Du eine, kennst Du alle. Das ehemals besondere wurde inzwischen zum Mainstream, denn es ist ohne große Fachkennstnis und mit relativ einfachen Mitteln machbar.


Und trotzdem: Der Hipster ist Motorradfahrer mit Leib und Seele. Er gehört dazu, wie jeder andere auch.

Er tut das, was wir auch machen: Er hat Spaß am Umbauen, fährt gerne Motorrad und hat mehr mit uns gemeinsam, als irgendein GS-Fahrer mit Warnweste und Klapphelm. Ich mag ihn, den Hipster.

...Aber er sollte doch bitte für seine Umbauten einen eigenen Namen finden. :wink:


Warum nennt man diese Dinger nicht einfach "Roadster"?

...Ein Roadster dient vorwiegend dem Fahrspaß, muss dabei aber keine großen Ansprüche an das Fahrwerk erfüllen. Er sieht sportlich aus, muss dabei aber nicht wirklich schnell sein, ist kernig gefedert, minimalistisch ausgestattet und der Komfort tritt zugunsten eines niedrigen Gewichts in den Hintergrund. .daumen-h1:

.
Gruß Ralf


Motorradfahren ist wie Sex: Man muss es nicht gut können, um Spaß daran zu haben.

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Re: Scrambler, wofür die Mopeds eigentlich gedacht sind

Beitrag von Ratz » Mo 17. Apr 2017, 16:15

Da ist auch mein Gedanke! Natürlich verstehe ich was schraubnix uns hier sagen will und da bin ich auch ganz bei ihm.

Ich will hier auch nicht den Roadscramblerversteher machen aber leider ist das oben von mir geschriebene die traurige Realität. Wie geil wäre es doch mit einem Scrambler durch die germanische Pampa zu heizen. Das geht aber nicht mehr und auch das hat irgendwo seine Berechtigung.

Also lassen wir den Scrambler als Scrambler in der Ecke stehen und gedenken seinem Nutzen. Für den neumodischen Straßenscrambler muß eine neue Bezeichnung her damit alle glücklich sind. Also was paßt da besser als "SUB - Sport Utility Bike"?

Ach - vergeßt es, Hipsterzeug. :lachen1:

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Re: Scrambler, wofür die Mopeds eigentlich gedacht sind

Beitrag von f104wart » Mo 17. Apr 2017, 16:31

Genau! ...nix halbes und nix ganzes eben. :lachen1:

.
Gruß Ralf


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Re: Scrambler, wofür die Mopeds eigentlich gedacht sind

Beitrag von Dengelmeister » Mo 17. Apr 2017, 16:49

EssYouBI........wie geil ist das denn?! :lachen1: :lachen1: :lachen1:


Muuuhaahaa,....ich feier dich gerade Ratz :prost:
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Re: Scrambler, wofür die Mopeds eigentlich gedacht sind

Beitrag von hellacooper » Mo 17. Apr 2017, 17:10

Den Versuch, die Scrambler/Crosser für ein neues Terrain tauglich zu machen, den Asphaltdschungel, gab's ja auch schon mal: Super Moto! Teils sehr geile Teile, aber irgendwie etwas in Vergessenheit geraten. Zumindest hier bei uns sehe ich kaum noch welche.

Was das Crossen/Scrambeln angeht: ein Kumpel von mir fährt mittlerweile nach Rumänien. Da interessiert's (noch) keine Sau, wie und wo man durch's Gelände pflügt.
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Re: Scrambler, wofür die Mopeds eigentlich gedacht sind

Beitrag von Bambi » Mo 17. Apr 2017, 17:33

Hallo zusammen,
der Ralf trifft den Nagel recht gut auf den Kopf wenn er sagt:

'Der Scrambler ist - ähnlich wie auch die Cafereacer der 60er Jahre - ursprünglich aus Serienmaschinen entstanden und ist der Vorläufer einer Enduro, die, wie der Scrambler auch, eine Mischung aus Gelände- und Strassenmaschine ist. Und deshalb auch sowohl auf der Strasse wie auch (bedingt) im Gelände zu Hause sind.

Insofern kann man ein ehemaliges Strassenmotorrad, das mit (halbwegs) geländetauglichen Reifen ausgerüstet wurde, einen breiten und stabilen Lenker erhalten hat und dessen Auspuffanlage nach oben verlegt wurde, durchaus schon als Scrambler bezeichnen. ...Genau so sind sie urprünglich entstanden.'

Es war aber ursprünglich kein Umbauen um des Umbauens willen. Weil es in den 50-er/60-er Jahren so gut wie keine ab Werk für den Off-Road-Sport konzipierten Modelle gab nahmen die Werke selbst und die Privatfahrer eben ihre Straßen-Motorräder und passten diese zunächst rudimentär (Lenker, Reifen, Schutzbleche, Auspuff) an den neuen Verwendungszweck an. Denn in Deutschland z.B. hießen diese Fahrten mit zugelassenen Maschinen Gelände-Zuverlässigkeitsfahrten und hatten damals eine große Anhängerschar. Nirgends werden Fehler in Konstruktion und Verarbeitung so schnell und so schonungslos aufgedeckt wie im Dreck. Und auf diesem Aspekt lag auch der größte Fokus des Publikums, das oft mit der Serienmaschine anreiste. Ich lasse den Moto Cross-Sport, von woher die Bezeichnung 'Scrambler' ursprünglich stammt, und seine amerikanischen Spielarten hier bewußt außen vor. Eben weil wir hier im Forum von zulassungsfähigen Maschinen sprechen. Dort, bei den Crossern, ging die Spezialisierung auf den Verwendungszweck deutlich schneller voran als beim Gelände-/Endurosport. Diesem blieb der ursprüngliche Sinn (der Beleg der Zuverlässigkeit) recht lange erhalten, wurde durch Start-, Brems- und Beschleunigungsprüfung sowie Einhaltung der Sollzeiten auf den Verbindungsetappen (wehe, Du musstest dort bauen!) bewiesen. Erst in der zweiten Hälfte der 70-er Jahre wurde das Ergebnis der Sonderprüfung (ein abgesteckter Rundkurs, der in Bestzeit zu fahren ist) immer wichtiger bei der Endabrechnung. Mein MZ-Händler Harald Uhlig, selbst erfolgreicher Geländesportler, sagte damals zu mir 'Jetzt wird's Moto Cross mit Lampe!'. 1980 trug man mit der Umbenennung der jährlichen 'Motorrad-Olympiade' von ISDT (International Six Days Trial) in ISDE (International Six Days Enduro) der technischen und der Reglements-Entwicklung Rechnung. Bis in etwa zu diesem Zeitpunkt unterschieden sich die Moto Cross- und Geländesport-Maschinen des gleichen Herstellers in der Regel ganz eklatant. Nehmt z.B. mal zwei 1976-er Werks-Maicos im Originalzustand genau unter die Lupe. Durch den hohen Einfluß der Cross-Prüfung in der Endabrechnung fährt man inzwischen mit nur wenigen, meist der Zulassung geschuldeten, Änderungen mit den Moto Crossern beim Enduro (vergleicht z.B. Suzukis 450-er 4-Takt-Crosser mit dem leider nicht mehr erhältlichen Schwester-Modell mit Zulassung für den Enduro-Sport). Natürlich hilft dabei der inzwischen recht hohe technische Standard, der z.B. unterschiedliche Federungen und Getriebe überflüssig macht.

Wie ich schon andeutete ist meine Schilderung nicht hundertprozentig stimmig. Aber wie die Cafe Racer die zugelassenen Abkömmlinge der Straßenrenner ihrer Zeit sind, so sind die (Street-)Scrambler die des Geländesports von damals.

Schöne Grüße mit Staubfahne und Dreckspritzern, Bambi
'Find me kindness, find me beauty, find me truth' (Dreamtheater aus 'Learning to live')

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Re: Scrambler, wofür die Mopeds eigentlich gedacht sind

Beitrag von grumbern » Mo 17. Apr 2017, 20:45

Naja, bei Royal Enfield war das ja schon in den 60ern der Fall. Damals hatte man die Interceptor auf den Amerikanischen Markt geworfen. Als Scrambler, mit 19" vorn und 18" hinten, grob bestollt und mit dem fetten 700er Motor. Leider war der zwar schnell und stark, mit gut kanpp unter 200kg aber viel zu schwer fürs harte Gelände und so wurde fast immer auf Straßenbereifung umgesattelt - später schon ab Werk, weil man merkte, dass Off-Road damit nichts zu holen war. Man erfand dann einfach den Namen "Street-Scrambler". Quasi also genau das, oder eben ein Roadster ;)
Gruß,
Andreas

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Re: Scrambler, wofür die Mopeds eigentlich gedacht sind

Beitrag von Bambi » Mo 17. Apr 2017, 22:47

Hallo Andreas,
ich weiß! Hast Du Dir ev. schon gedacht ... Ich wollte jetzt aber andererseits nicht jede Lücke ausleuchten :wink:
Wenn MICH einer fragt, was für mich DER Scrambler ist, dann wähle ich diesen hier:
http://www.earlyyearsofmx.com/images/bi ... er1967.jpg
Meine Triumph Tiger Trail ist nahe dran, aber die Norton ist noch besser. Ich habe dieses Modell erst nach dem Erwerb meiner Trail 1981 überhaupt kennengelernt. Sonst hätte ich wahrscheinlich ein echtes Problem gehabt. Vor allem, weil die Norton damals für einen 24-jährigen Jungen mit Brit-Bike-Begeisterung aber ohne jegliche Brit-Bike-Erfahrung vor allem schrauber-technisch der Killer gewesen wäre. Da war und ist die Trail gewiß die pflegeleichtere und immer noch geliebte Variante ...
Hier noch die Geschichte hinter dem Modell: https://en.wikipedia.org/wiki/Norton_P11
Definitiv ein Traum, den ich genau einen solchen bleiben lassen werde! Aber sie bleibt auf immer eben das: traumhaft!!!
Verträumt verscramblerte Grüße, Bambi
'Find me kindness, find me beauty, find me truth' (Dreamtheater aus 'Learning to live')

Schraubnix

Re: Scrambler, wofür die Mopeds eigentlich gedacht sind

Beitrag von Schraubnix » Mo 17. Apr 2017, 23:16

Unter den geschätzten 1000000 Bildern von der letzten TT hab ich noch die hier gefunden .

1.jpg


2.jpg

3.jpg

Das letzte Moped markierte gerade sein Revier :mrgreen:
Sie haben keine ausreichende Berechtigung, um die Dateianhänge dieses Beitrags anzusehen.

Bambi
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Re: Scrambler, wofür die Mopeds eigentlich gedacht sind

Beitrag von Bambi » Mo 17. Apr 2017, 23:28

Allesamt äußerst schön und treffend, Uli! Auch die zwischen AJS und Ducati Scrambler versteckte Triumph (oder TriBSA - Tri-Motor im BSA-Rahmen). Ausgerechnet die Honda tropft im englischen Revier, hahaha!
Die Adventurer auf dem mittleren Bild ist nicht mehr original aber traumhaft modifiziert!
Schönen Dank für's Zeigen und schöne Grüße, Bambi
'Find me kindness, find me beauty, find me truth' (Dreamtheater aus 'Learning to live')

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