Honda» NX650 Dominator 3.0: ent– Scrambler –isieren

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scrambler66
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Honda» NX650 Dominator 3.0: ent– Scrambler –isieren

Beitrag von scrambler66 » 6. Feb 2017

Hallo Zusammen,

die NX650 „Dominator“ (die Norton Dominator hieß offiziell nie so) war schon immer mein Traummotorrad. Das mag heute schwer vorstellbar sein, da die Domi für die meisten nur eine langweilige Gebrauchtmöhre ist, deren einziger Vorzug der günstige Preis ist. Aber bei ihrer Vorstellung im November 1987 http://nx650.nx250.de/albums/userpics/1 ... wqg7~0.jpg war die Domi tatsächlich einzigartig. Wenn auch das Konzept einer Enduro, die gleichermaßen zum Straßenheizen wie auch zum echten Off-road Einsatz taugt von den Wettbewerbern oft kopiert wurde (u.a. BMW mit der F650GS) - durch ihre Ausgewogenheit blieb die Domi bis Ende der 90er auch in Tests ganz vorne. Und auch nach heutigen Maßstäben ist das Fahrwerk (Federelemente / Lager im guten Zustand vorausgesetzt) immer noch handlich und stabil, nicht zuletzt aufgrund des für eine Enduro relativ geringen Gewichtes von 173kg.

Maßgeblich beteiligt an der Faszination Dominatorfahren ist der Motor – während der Vorgänger in der XL600 noch als durchzugsschwach galt und auch thermische Probleme hatte (http://www.xl600.de/cms/uploads/medi/fa ... ertest.pdf) brachte die Hubraumerhöhung sowie mehr Schwungmasse den ersehnten Durchzug. Damit lässt sich eine Domi bei niedrigen Drehzahlen weitaus angenehmer fahren als moderne Singles, die unfein an der Kette hacken und viel höhere Drehzahlen verlangen. Und nicht zu vergessen der Sound: was der offene Ansaugstutzen und die großen Auspuff-Auslässe einer 88er Dominator produzieren zählt mit zum Besten, was es seit den Achtzigern jemals serienmäßig gab – im manchen Tests wurde sogar der zu laute Auspuff moniert :grinsen1: !

Als Student und nach einem finanziellen Desaster mit einer KLR600 musste ich aber bis 1992 warten, als ich mir endlich eine gebrauchte 1988er Domi mit 16.000km leisten konnte. Neben einen Kickstarter hatte sie auch glanzgoldene Krümmer, Lenker und Auspuffkappen, gold eloxierte Felgen sowie bronzefarbene Motordeckel. Schon serienmäßig versprühte sie also einen Hauch von Steampunk ;-)

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Mit Topkäse – ich kann ohne diese Dinger nicht leben ;-). In ihrem ersten Leben wurde sie artgerecht, das heißt als Enduro genutzt. Vorzugsweise in den Seealpen, deren Militärstraßen damals noch legal befahren werden durften. Chaberton, Sommelier oder Malamot waren jedem Endurofahrer ein Begriff.

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Nachdem sie sich bei einem Abgang bei 120km/h ihrer Verkleidung entledigt hatte wurde sie kurzerhand für eine Afrika Durchquerung zur Enduro umgebaut (Domi 1.0 ;-)).

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Wieder zurück, fing der Motor bei 68.000km an zu klappern an, um dann eines Morgens nicht mehr anzuspringen – in der Werkstatt wurde mir mitgeteilt, das Kipphebel/Nockenwelle eingelaufen waren und ein Ventilsitzring rausgefallen war. Beides für die Dominator typische Überhitzungs- und Ölmangelschäden, nur wusste ich das damals mangels Google (wurde erst 3 Jahre später gegründet) noch nicht :wink:. Beleidigt schob in die Domi in die Scheune und schmollte – verkaufen wollte ich sie aber nicht, dazu hatte sie zu viel Spaß gemacht.

Erst viel später stellte sich heraus, das der an sich haltbare RFVC Motor an einer konstruktiven Eigenheit litt, die man eigentlich nur bei Britbikes vermuten würde: dem sogenannten Wetsumping (http://www.britbike.com/forums/ubbthrea ... ber=116060). Dabei ist die Ölpumpe bei verbrauchten Öl (was die sehr kurzen Ölwechselintervalle von 3000km erklärt) und/oder sehr heißem Öl nicht mehr in der Lage, den hoch im Rahmenrohr befindlichen Öltank vollständig zu füllen. In der Folge läuft der Öltank mehr oder minder leer, das Öl sammelt sich im Motorgehäuse (und macht den Trockensumpf zum Nassumpf), wird schaumig geschlagen und wird schließlich durch die Entlüftung durch den Vergaser angesaugt und verbrannt. Eine Folge ist ein abrupt ansteigender, exorbitanter Ölverbrauch von 3l/1000km und mehr, wer das nicht rechtzeitig merkte, fuhr seinen Motor innerhalb einer Tagestour trocken – mit bekannten Folgen. Im Nachhinein lässt sich spekulieren, warum Honda der Domi nicht einen neukonstruierten Motor oder wenigstens Ölkühlung spendierte - da läuft vor meinem inneren Auge folgende Szene ab :mrgreen: ...
Wir schreiben das Jahr 1982 - die Honda Techniker hatten gerade den Nachfolger für die in den USA äußerst beliebte XR500 entwickelt. Neben einer erstmals verwendeten Trockensumpfschmierung (die bisherigen XL/XR hatten Nassumpfschmierung) wurde auch ein revolutionärer Radial Ventil Zylinderkopf (RFVC) eingeführt. In die letzten Abschlussarbeiten platzt dann plötzlich der

Marketing Chef "Leute, Yamaha bringt eine 600er heraus - wir brauchen schnellstens ebenfalls eine 600er Strassenenduro - nehmt einfach den XR500 Motor und bohrt ihn auf!"

Konstrukteur "äh, Cheffe - der XR Motor ist doch als Geländesportmotor konstruiert worden, der verträgt kein Dauervollgas. Außerdem benötigt er auch häufige Ölwechsel und sorgfältige Wartung. Die Geländesportler stört das nicht, die warten ihre Maschinen sowieso nach jedem Rennen. Besser wäre für eine Straßenenduro eine komplette Neukonstruktion mit Ölkühler oder besser noch Wasserkühlung, um die thermischen Reserven zu erhöhen und die Wartungsintervalle zu verlängern"

Marketing "Das wird viel zu teuer, das bekommen wir niemals verkauft. Die Yamahas sind doch sowieso schon viel billiger. Überhaupt seid ihr Techniker wieder viel zu negativ - schreibt halt entsprechende Ölwechselintervalle in die Dokumentation rein, dann paßt das schon"

Konstrukteur "Cheffe, dann sollte aber auch unbedingt in das Fahrerhandbuch der Hinweis rein, das der Motor nicht für Dauervollgas konstruiert wurde und sorgfältige Wartung benötigt, damit er hält."

Marketing "Verrückt geworden??? Das wäre ja der Marketing Supergau, zuzugeben, unsere Motoren wären nicht vollgasfest. Das passt schon, notfalls können wir Defekte dem Kunden in die Schuhe schieben"

Und so wurde es dann gemacht, die XL600R bekam den praktisch unveränderten XR500 Motor. Nicht überraschend kam es dann zu einigen Motorschäden, sogar Dauertest (siehe Test XL600 weiter oben!) Motorräder, die ja von Honda Deutschland gewartet wurden, waren davon betroffen. Auch interessant Hondas Reaktion auf diese Schäden - nicht etwa die Ölpumpe wurde verbessert, sondern die Notlaufeigenschaften der Kipphebel/Nockenwelle, damit diese auch Phasen überstehen, in der die Ölpumpe nicht fördert.

Ab 1987 wiederholte sich obige Szene, diesmal mit der NX650. Und unzählige Domi Besitzer mussten sich dann von den Händlern anhören: "selber Schuld, was fahren sie auch mit zu wenig Öl" :shock: Hat sich eigentlich jemals jemand gewundert, das Honda niemals eine NX650 für einen Dauertest zur Verfügung gestellt hat :wink: ?

Trotzdem besteht kein Grund, als Domfahrer neurotisch zu werden, wer sich an wenige, eigentlich banale Regeln (http://forum.nx250.de/viewtopic.php?f=8&t=7&p=25#p25) hält und ggf. die Ölpumpe wechselt (http://www.nx250.de/oelpumpe-nx650.html) hat in der Regel wenig Probleme.

Aber zurück zu meiner Domi – nachdem ich ausgiebig geschmollt hatte, besorgte ich mir einen Teileträger als Organspender, kaufte neue Verkleidungsteile und restaurierte sie originalgetreu – denn so gefällt sie mir eigentlich am besten. Leider bin ich wenige Tage nach der Neuzulassung im Tran auf eine Dose aufgefahren, die verbotenerweise nach links abbiegen wollte. Alles war demoliert, Tank, Verkleidung, Lenker, Tacho etc … Gabel und Vorderrad sowieso. Wirtschaftlich betrachtet ein Totalschaden. Ich hatte noch nicht mal ein paar schöne Fotos gemacht, das einzige erhaltene zeigt meine Domi kurz vor der Zulassung in der Scheune (daneben wartet meine R80 auf den Anbau des Beiwagens)

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Nachdem sich also nun schon zum zweiten Mal meine Domi sich ihrer Verkleidung entledigt hatte kam ich zu dem Schluss, dass sie lieber nackig fährt – da lag doch in der Scheune ein alter Max Tank herum, den ich probeweiser schon vorher mal auf den Rahmen des Teileträgers gelegt hatte – et voila, die Idee zur Domi 2.0 „Scrambler“ war geboren (modisch wurde die Scramblerei erst Jahre später, so das ich für meinen Umbau kein Vorbild hatte).

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Zuletzt geändert von scrambler66 am 6. Feb 2017, insgesamt 1-mal geändert.
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Re: NX650 Dominator 3.0: ent– Scrambler –isieren

Beitrag von AsphaltDarling » 6. Feb 2017

Danke! Ich liebe solche berichte.
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Re: NX650 Dominator 3.0: ent– Scrambler –isieren

Beitrag von LastMohawk » 6. Feb 2017

Danke,

sehr informativ und ich bin gespannt was daraus wird wenn du den Umbau fertig hast. Ja man baut über die Jahre eine art Beziehung zum Bock auf und die gibt man nicht so leichtfertig wieder her oder? Da kann ich dich gut verstehn.

Gruß der Indianer
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Re: NX650 Dominator 3.0: ent– Scrambler –isieren

Beitrag von Troubadix » 6. Feb 2017

Sehr toller Bericht, ich muss aber gestehen das er irgendwie spontan endet, dachte zuerst das dem Autor (ja mit dem Text darf er sich so nennen) die Zeichen bzw Bilder (Platz) ausgegangen sind und warte deswegen gespannt auf eine Fortsetzung...


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Re: NX650 Dominator 3.0: ent– Scrambler –isieren

Beitrag von scrambler66 » 9. Feb 2017

@ alle – danke für den Zuspruch :wink: Natürlich geht’s weiter, aber bei 25 Jahren Dominatorfahren und –schrauben hat sich halt so einiges angesammelt, das wird seine Zeit brauchen, bis ich alles dokumentiert habe. Leider habe ich bei einem Festplattencrash vor ein paar Jahren fast alle Bilder vor 2009 verloren – bis 2000 hatte ich noch die guten alten Dias, die sich nochmals digitalisieren ließen, aber gerade aus der Umbauphase zur Scrambler sind nur noch wenige Bilder vorhanden – daher kann ich den Umbau auch nicht mehr vollständig nachvollziehen.

Übrigens: mein Avatarbild zeigt den Stand 2014 – immer noch 2.0 :wink: . Im Moment bekommt sie eine weitere Überarbeitung.

Der NSU Max Tank passte nach einer Aufweitung des hinteren Tanktunnels halbwegs gut auf den Domirahmen. Bei den NSU Tanks gab es zwei Ausführungen – den der Max/Lux in flacher Tropfenform und den Tank der Supermax in hoher, sogennannter Büffelform mit 14l. Ein Augenmerk beim Umbau legte ich auf Reduzierung des Kabelsalats am Lenker – so wurde der Choke auf Direktbetätigung umgebaut.

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Nur noch ein Gaszug - und dank Tacho in der Lampe eine sehr aufgeräumte und schlanke Lenkeransicht. Als Endurofahrer mochte ich Blinker mit starrem Halter nicht – daher gummigelagerte KLR Blinker. Aus heutiger Sicht natürlich unerträglich klobig. Das gleiche gilt für die originalen Spiegel mit Gummilager. Aber bisher habe ich noch keinen Zubehörspiegel gefunden habe, der den Vibrationen gewachsen war. Und die Querstrebe des Lenkers hat mich schon immer gestört – weil ich aber das Glanzgold des Lenkers mag blieb er vorerst.

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In der Scheune fand sich noch ein Tacho von einer XL185 der mit 80mm Durchmesser genau in die Zündapp DB200 Lampe paßte. Allerdings war er den Vibrationen nicht gewachsen, 3-4 von den Dingern wurden zerschüttelt, bevor ich eine ausreichende Gummidämpfung entwickelt hatte.

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Die Domi hat ja serienmäßig ein sehr breites Motorschutzblech, weil sich links das Werkzeugfach versteckt. Beides wurde entfernt, doch wohin mit dem Werkzeug? Die Tankfächer der Fünfziger brachten mich schließlich auf eine Idee – von einer Geldkassette wurde der Boden entfernt und auf den NSU Tank geschweißt. Da war dann neben dem Bordwerkzeug auch Platz für eine CDI – so ziemlich das einzige, was an einer Domi eigentlich kaputt gehen kann (vorausgesetzt, man schaut ständig nach dem Öl ;-))

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Durch den flachen Tank wirkte der Lenker sehr hochgesetzt – drum wurden die Gabelbrücken durch welche von der XL600R ersetzt (diese gab es mit 39 und 41mm Durchmesser). Ohne die Gummilager kommt der Lenker ein ganzes Stück tiefer, sieht „cleaner“ aus und gibt außerdem noch ein direkteres Fahrgefühl. Vibrationen werden dadurch ab ca 130km/h Dauergeschwindigkeit unangenehm, das sollte man seiner Domi aber sowieso nicht antuen.

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Ansonsten wollte ich in erster Linie wieder fahren können, es kam mir also garnicht drauf an, das alles gleich perfekt wird. Daher wurde auch erstmal nur eine leicht angepaßte Sitzbank verwendet. Hinten kam dann noch die Schwinge samt Hinterrad von einer US-Domi rein damit alles noch ein bisschen mehr Oldstyle wird. Die Trommelbremse lässt sich sogar feiner dosieren.

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Links der erste Versuch eines Seitendeckels – misslungen. Da eine Rahmenschweissung nicht in Frage kam, blieb nur, den Spalt zwischen Tank und Heckrahmen mit einem größeren Seitendeckel zu kaschieren. Am Anfang hatte ich noch einen MIVV Auspuff – dieser hatte sich aber nicht bewährt (tatsächlich leiser als Original!). Es gibt keinen gescheiten Nachrüstauspuff für eine 88er Dominator – entweder sind es fürchterlich laute Brüll- oder zugestopfte Tüten, die Leistung kosten und den Abgasrückstau/Öltemperatur (besonders bei Einzelschalldämpfern) erhöhen. Bei der thermisch auf Kante genähten Domi keine gute Idee. Die einzig passablen Schalldämpfer waren m.E. die doppelten von Sebring - leider waren das enorm lange Kanonenrohre.

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Daher kam schon bald wieder der originale Auspuff dran und eine abgeänderte Sitzbank samt Seitendeckel sorgten für eine recht gute Tanksitzbanklinie.

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Stand 2006 (übrigens meines Wissens der erste Scramblerumbau einer Domi) - vorne noch ein Schutzblech einer XL185 (fand sich ebenfalls in der Scheune) – so konnte man sich schon wieder unter die Leute trauen :) .

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(Forts. folgt)
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Re: NX650 Dominator 3.0: ent– Scrambler –isieren

Beitrag von scrambler66 » 17. Feb 2017

Optisch war die Sache aber für mich noch nicht rund – Scrambler waren ja ursprünglich nur Straßen Maschinen mit Enduro Lenker, hochgelegtem Auspuff und Stollenreifen, daher sah sie mir zu hochbeinig aus und wurde tiefergelegt. Damit waren zwar Endurotouren passè, aber die Alpenpässe waren inzwischen fast alle gesperrt und Afrika weit weg …. und außerdem hatte ich inzwischen entdeckt, das sich die NX250 viel angenehmer im Gelände bewegen lässt, weil fast 40kg leichter.

Üblicherweise werden bei Domi Umbauten nur die Gabelholme durchgesteckt, was mir nicht gefällt und auch nur ein paar cm ausmacht. Es geht aber auch optisch und technisch eleganter: mit kürzeren Dämpfungsrohren von anderen Motorrädern mit 41er Showagabel. So ist zb. das Dämpfungsrohr der BMW F650 (auf dem Bild mitte oben) 4cm kürzer, entsprechend weniger kann die Domigabel dann ausfedern. Weil die Domi Standrohre mit 740mm enorm lang sind (selbst XR600 Rohre sind kürzer und die meisten Straßenmaschinen haben 120-140mm weniger) und 4 cm optisch kaum ins Gewicht fallen habe ich schließlich Dämpfungsrohre von der NTV650 genommen, was einer Tieferlegung von 9 cm entspricht. Mit 130mm verbliebenen Federweg sind noch ganz ordentliche Geländeeinlagen möglich, allerdings auf Kosten einer straffen Abstimmung - so sanft wie original rollt sie damit nicht mehr ab. Um den geringeren Federweg auszugleichen und um das tiefe Eintauchen zu mindern eignen sich übrigens Transalpfedern perfekt. Hinten kam ein maßgeschneidertes Wilbers Federbein rein, das 2cm weniger Hub hat und damit ebenfalls für eine Tieferlegung von ca 9cm sorgt. Vorne blieb die 21‘‘ Trennscheibe – mit diesem Setup bleibt die Fahrwerksstabilität erhalten bei noch größerer Handlichkeit, dank des niedrigeren Schwerpunkts. Als flacher Straßenrenner macht die Domi so noch mehr Spass.

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Schließlich fand sich in der Scheune noch ein GFK Nachbau eines KS750 Kotflügels, der sich für hinten zurechtschnitzen liess und ein Stahlrohrgepäckträger wurde auch noch angepaßt.

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Die Krümmer samt kleinerem Hitzeschutzblech stammen von der XR600, die nur etwas zu lang waren und gekürzt wurden – und die Luftpumpe wie bei der Max musste sein :wink: .

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Auf den ersten Touren machte dann der eingebaute Austauschmotor Mucken – hoher Ölverbrauch, geringe Leistung und zweimal hatte ich sogar einen Kolbenklemmer. Angeblich war der Motor wegen eines Sitzringschadens schon mal überholt worden – und das war er wohl schon, nur anscheinend auf „russisch“ - die Sitzringe waren mit Körnerschlägen gesichert. Also kurzerhand einen zweiten Austauschmotor besorgt, der dann ordentlich und vorerst ohne Mucken lief.

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Die Domi wurde dann in den folgenden Jahren zum Touren und zu Fahrten auf Treffen genutzt. Doch ein schlechtes Gefühl fuhr immer mit, denn die Ursache des Motorschadens des original Motors war mir immer noch nicht bekannt. Irgendwo in der Mitte Afrikas war damals bei der morgendlichen Ölstands Kontrolle der Rahmentank fast leer – sie hatte (nachdem der Ölverbrauch sonst bei ca 0,3L lag) bei der vorherigen 300km langen Tagestour fast 1,2l Öl verbraucht! Danach sank der Ölverbrauch wieder, es mussten aber täglich ca. 0,5l nachgefüllt werden. Zuhause, nach einem Ölwechsel, lag der Ölverbrauch wieder bei ca. 0,3l - absolut unerklärlich, schließlich regenerieren sich Ventilschaftdichtungen (die oft fälschlicherweise für den hohen Ölverbrauch verantwortlich gemacht werden) ja nicht von selbst.
Entsprechend vorsichtig war ich dann später – der Ölstand wurde morgens täglich überprüft, obwohl mir das Gepanschte mit dem Peilstab ziemlich auf die Nerven ging – meist musste sowieso nichts nachgefüllt werden, weil der Verbrauch des zweiten Austauschmotors gering war. Doch auch dieser war für Überraschungen gut – beim einem Alpenkratzen, mit anderen, weitaus stärkeren Maschinen war morgens auf einmal wieder der Öltank leer. Um dranbleiben zu können hatte ich die Domi bis zum letzten ausquetschen müssen, mit entsprechend hohen Öltemperaturen. Wieder fehlten 1,2l Öl, in der Folge kontrollierte ich auf jeden Stop den Ölstand – dieses Bild hat man auf der Tour sehr oft gesehen.

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Zuhause, nach einem Ölwechsel, sank der Ölverbrauch ebenso unerklärlicherweise wieder auf ein normales Maß. Auch wenn dieses mal keine Folgenschäden zu beklagen waren – ich hatte die Nase gestrichen voll und dachte zum ersten Mal daran, mir ein anderes Motorrad zu kaufen. Bis „Langer“ aus dem Domi-forum auf die geniale Idee mit dem Ölschauschlauch kam http://89232.forumromanum.com/member/fo ... user_89232

Nicht nur konnte man nun endlich jederzeit mit einem Blick (sogar beim Fahren) den Ölstand erkennen, damit wurde auch endlich bestätigt, was bisher nur vermutet wurde (denn in der Theorie müßte der Rahmentank ständig überlaufen, da die Rahmenpumpe stärker dimensioniert ist als die Pumpe zur Versorgung von Kopf, Getriebe etc.). Unter gewissen Umständen ist die Ölpumpe bei laufendem Motor nicht mehr in der Lage, das Öl wieder vollständig zurück in den Öltank zu pumpen (wetsumping - siehe oben). Klarer Fall, das sich mir so einen Schlauch zulegen mußte - endlich war wieder angstfreies Fahren mit der Domi möglich - und sehr Custommäßig sieht es auch aus :P

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Ansonsten wurde in den folgenden Jahren nur noch wenig geändert – die Schalldämpfer rosteten schnell wieder und wurden diesmal Aluminium beschichtet - eine dauerhafte und kostengünstige Lösung http://89232.forumromanum.com/member/fo ... user_89232

Auf Touren wie hier zum 900km entfernten Domitreffen an der Ostsee machte die Domi dann viel Spass, nur der kleine Tank und das Tankfach störten – ein Tankrucksack findet damit einfach keinen sicheren Halt.

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Der Austauschmotor fing dann langsam an, mehr Öl zu verbrauchen - bei einer Laufleistung von ca 80.000km aber noch im Rahmen. Wie bei jedem anderen luftgekühlen Einzylinder sollte man dann, um teure Folgenschäden zu vermeiden, den Zylinder ausschleifen und den Kopf überholen – ich entschied mich aber dafür, den originalen Kicker-motor wieder zu reaktivieren. 2014 war daher die Zeit für eine komplette technische und optische Überholung gekommen.
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Re: NX650 Dominator 3.0: ent– Scrambler –isieren

Beitrag von Troubadix » 17. Feb 2017

Das Sitzring Bild ist HAMMERMÄSSIG!!!!!!!!!!



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Re: NX650 Dominator 3.0: ent– Scrambler –isieren

Beitrag von rosemaster » 17. Feb 2017

Klasse Bericht. Danke dafür. Insbesondere weil ich derzeit überlege mir wieder was zum schrauben und umbauen zuzulegen. Da hatte ich auch schonmal an eine Dori gedacht. Irgendwann hatte ich mal nen Domi-Umbau in Richtung Elsinore gesehen der mir ausgesprochen gut gefiel.

Was mir auch gut gefällt sind die alten englischen Trial Maschinen und deren Look, sowas auf Basis eine Domi könnte mir auch gefallen. Jedenfalls danke für den tollen Bericht. Hat mich wieder dazu gebraucht über ne Dome nachzudenken.

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Re: NX650 Dominator 3.0: ent– Scrambler –isieren

Beitrag von scrambler66 » 18. Feb 2017

Troubadix hat geschrieben:Das Sitzring Bild ist HAMMERMÄSSIG!!!!!!!!!!Troubadix
:P wobei ich nicht sonderlich begeistert war, als ich den tätowierten Zylinderkopf gesehen habe :shock:
Wer auch immer die Sitzringe so gesichert hat hatte anscheinend Ahnung von der problematik: die dauerhafte Reparatur eines lockeren Sitzringes ist schwierig - zuviel Übermass des neuen Rings, und der zylinderkopf reisst an den dünnen Stegen zum Kerzengewinde, zuwenig, und der Sitzring rutscht wieder raus - mit etwas Pech bricht er dann und blockiert das ventil :oops:

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Re: NX650 Dominator 3.0: ent– Scrambler –isieren

Beitrag von scrambler66 » 18. Feb 2017

rosemaster hat geschrieben: Was mir auch gut gefällt sind die alten englischen Trial Maschinen und deren Look, sowas auf Basis eine Domi könnte mir auch gefallen. Jedenfalls danke für den tollen Bericht. Hat mich wieder dazu gebraucht über ne Dome nachzudenken.
Danke für die Blumen :wink: Gute idee, das mit der Trial-Domi - gabs bisher noch nicht und für den Zweck ist der durchzugsstarke Motor gut geeignet (und es gibt noch einen relativ einfachen Trick, wie man den Durchzug bei niedrigen Drehzahlen noch weiter verbessern kann - aber dazu später :wink: )
Für "schnelle" , Trialmaschinen gibts seit ein paar Jahren sogar passende Reifen, den K67 von Heidenau in "T" Ausführung (sonst sind Trialreifen nur bis max 140km/h zugelassen). Der sieht so dermassen retro aus, das ich meine Domi extra für diesen Reifen auf 18'' Felge umgerüstet habe.
Gruß, Michael

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