Drehmomentschlüssel welche Qualität?

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f104wart
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Re: Drehmomentschlüssel welche Qualität?

Beitrag von f104wart » 10. Jan 2019

Kaffeepause hat geschrieben:
10. Jan 2019
Also, selbst mit Brille, kann ich auch keine weiteres Festziehen über den Auslösepunkt feststellen.
Ja, Frank, ich kann mir einen Tanz auch dreimal anschauen und seh´s nicht. :neener:



Das Absetzen hat nichts mit stufenweisem Anziehen zu tun.

Das, was Du meinst, funktioniert so:

Beispiel Kopfdichtung
Vorgabe: Die ZylKopfSchrauben stufenweise über Kreuz mit 20 - 40 - 60 Nm anziehen

Dann wird der Drehomentschlüssel zunächst auf 20 Nm eingestellt und die Schrauben über Kreuz, aber jeweils in einem Zug bis zum Auslösepunkt angezogen.

Anschließend wir der DMS auf 40 Nm eingestellt und die Schraube in einem Zug auf 40 gezogen.

Gleiches gilt für die nächste Stufe: Einstellen auf 60 Nm und in einem Zug anziehen.

:arrow: Während der ersten und zweiten Stufe kannst Du absetzen, so viel Du willst. Wenigstens die letzte Stufe sollte in einem durchgezogen werden.


Problem Absetzen:
Hast Du die Schrauben beispielsweise mit 40 Nm angezogen, stellst Deinen DMS dann auf 60 Nm und setzt kurz vor dem Ende ab, um nachzusetzen (der Schlüssel hat noch nicht ausgelöst) passiert folgendes:

Du hast bis zum Absetzen meinetwegen 54 Nm erreicht und willst dann weiter drehen. In diesem Moment löste Dein DMS aus, weil das Losbrechmoment, das nötig ist, um die Schraube weiter zu drehen, größer ist als das bis dahin erreichte Drehmoment.

Der Schlüssel löst bei eingestellten 60 Nm aus, die Schraube ist aber nur mit 54 Nm angezogen.


Wenn es gar nicht anders geht,
dann muss auf alle Fälle sicher gestellt sein, dass das Losbrechmoment (Druckknopfeffekt) so weit überwunden wird, dass die Schraube sich beim Weiterziehen mindestens noch etwa 1/4 Umdrehung weiter dreht.

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Re: Drehmomentschlüssel welche Qualität?

Beitrag von grumbern » 10. Jan 2019

Das ist ja auch mit ein Grund, warum man Schrauben und Muttern vor dem nachziehen erst einemal eine viertel bis halbe Umdrehung lösen soll, denn sonst tut sich da meist gar nichts an der Schraube, obwohl das DM schon anliegt. Mit Lösen geht es dann gut und gerne noch mal genau so weit in die andere Richtung.

Das, was man m.M.n. auf dem Video sieht, ist, dass der gute Herr die Schrauben anzieht, der Knickschlüssel auslöst und er beim Auslösen am Kippmechanismus auf Anschlag geht. Das ist dann für die Schraube wie ein zusätzlicher Schlag in Drehrichtung und kann ein "Überspannen" über den Toleranzbereich hinaus bewirken, aber zumindest eine deutliche Ungenauigkeit. Wenn man das so macht, bringt der beste Schlüssel nichts und man ist mit dem alten "Flexometer"-Schätzeisen mindestens genauso gut bedient.
Gruß,
Andreas

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Re: Drehmomentschlüssel welche Qualität?

Beitrag von f104wart » 10. Jan 2019

Das, was man m.M.n. auf dem Video sieht, ist, dass der gute Herr die Schrauben anzieht, der Knickschlüssel auslöst und er beim Auslösen am Kippmechanismus auf Anschlag geht.
Und genau das macht bei einer geölten Schraube mal eben so +15 % der Vorpannkraft aus, weil er mit gleicher Kraft weiter zieht und der Leerweg des Knickwinkels wie eine zusätzliche Anlaufstrecke wirkt. :wink:

Der Trick - und dazu braucht man wirklich Übung(!) - ist der, dass man beim Auslösen sofort "los lässt" und das Ende des Knickwinkels ohne jede weitere Krafteinwirkung erreicht.


Wie gesagt: Wir reden hier davon, wie es richtigerweise gemacht werden sollte, und nicht, wie es im Werkstattalltag gemacht wird. :oldtimer:


...Wenn die ganzen Reifenfritzen sehe, die die pfurztrockenen und gammeligen Radschrauben mit dem Druckluft-Schlagschrauber "vorspannen" und den DMS dann nur noch k(n)acken lassen, bekomme ich das kalte Kotzen. :banghead:

Und die, die Kupferpaste auf die Radschrauben schmieren und die dann mit 120 Nm anziehen, sind auch nicht besser. :roll:

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Re: Drehmomentschlüssel welche Qualität?

Beitrag von onkelheri » 10. Jan 2019

So ischt es ... Ralf...

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Re: Drehmomentschlüssel welche Qualität?

Beitrag von Brownie » 10. Jan 2019

Bei mir knackt immer das Handgelenk beim Anziehen der Schrauben, ist mein persönlicher Drehmomentschlüssel....
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Re: Drehmomentschlüssel welche Qualität?

Beitrag von f104wart » 10. Jan 2019

Jeder, wie er mag, welche Erfahrung er hat und um wleche Schraubverbindung es sich handelt.

Die Erfahrung sagt nämlich, dass 90% aller Schrauben, die nach Gefühl von Hand angezogen wurden, zu fest angezogen sind.

Und Deine ZylKopfSchrauben oder den Lichtmaschinenrotor auf der Kurbelwelle ziehst Du ganz bestimmt auch nicht aus dem Handgelenk an. :neener:


Gerade für einen Anfänger ist ein Drehmomentschlüssel ein sehr hilfreiches Werkzeug.

Und wenn der dann die Hälfte von dem, was wir ihm hier sagen, beherzigt, dann ist er schon auf der sicheren Seite. Und mehr wollen wir gar nicht. :prost:

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Re: Drehmomentschlüssel welche Qualität?

Beitrag von sven1 » 10. Jan 2019

Brownie hat geschrieben:
10. Jan 2019
Bei mir knackt immer das Handgelenk beim Anziehen der Schrauben, ist mein persönlicher Drehmomentschlüssel....
...dann mußt du vorher mal etwas Eisen wuppen damit die Bänder wieder stramm sitzen. Außerdem kannst du damit die Einstellskala in einen höheren Bereich verschieben.

Spaß beiseite, ich hole mir noch so einen lütten Proxon Schlüssel, denn spätestens wenn ich tagsüber im Garten war, reiße ich abends die Schrauben ab, weil das "Gefühl total in die Dutten ist".

Grüße

Sven
Man muß auch mal den Fehler bei anderen suchen.
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Re: Drehmomentschlüssel welche Qualität?

Beitrag von onkelheri » 10. Jan 2019

Oft kommt es ja auch auf die Materialpaarungen an, die zusammengeschraubt werden ...

Eine Stahlschraube 10.9 er Qualität darf natürlich nicht z.B. in Alu, mit dem für Stahlschrauben dieser Festigkeit vorgesehenen Drehmoment angezogen werden sondern in dem Fall mit z.B. dem Wert für eine vergleichbaren Alu oder wie in der Tabelle gezeigt niedrigsten Stahlwert.
An Vergasern aus 45Jahre alter Zink/Alulegierung repariere ich oft die M3/M4/M5 Gewinde weil da eben "geochst" wurde ... daher verwende ich praktisch nur noch entsprechend kleine Momentenschlüssel. Für die Werte ab 5Nm habe ich auch den kleinen Proxxon...und darüber den Prügel von POLO (?) ...ein RASOL versteckt sich noch in irgendeiner Umzugskiste ...

https://www.schrauben-normen.de/anziehmomente.html

Gruß Heri

drehmomentschlüssel.jpg
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Re: Drehmomentschlüssel welche Qualität?

Beitrag von Kaffeepause » 10. Jan 2019

@Ralf , stufenweise anziehen kenne ich schon, der Rest war mir gar nicht so bewusst, danke für die Erklärung. 🖒
Wenn der Metzger sich mal einen Salat macht, ist er lange noch nicht ein Gärtner....

Bonnie T140V : viewtopic.php?f=57&t=239

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Re: Drehmomentschlüssel welche Qualität?

Beitrag von f104wart » 10. Jan 2019

@Frank: :prost:



...Ja, der kleine Proxxon gefällt mir auch. Werde ich mir, wenn ich in Rente gehe, wahrscheinlich auch zulegen.

Im Moment darf ich noch einen Hazet benutzen, der geht von 3 - 12 Nm. Für die größeren Sachen haben wir Stahlville im Einsatz. Ist mir aber für den Privatgebrauch zu teuer.

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