Frage an die Dreher-Experten

Werkzeuge, Werkstatteinrichtung, Be- und Verarbeitungstechnik, Anleitungen, Tipps
SebastianM
Beiträge: 1067
Registriert: 2. Sep 2015
Motorrad:: ..
Wohnort: Vaterstetten

Frage an die Dreher-Experten

Beitrag von SebastianM » 10. Mai 2019

Hallo Kollegen,
vor ein paar Wochen habe ich hier in München einen Kurs an der Drehmaschine belegt; nun darf ich für 8€ pro Stunde selber ans Gerät. :rockout:
Konkret benötige ich zwei Distanz-Adapter für meine vorderen Bremsscheiben. Letzte Woche habe ich mir bereits das erste Teil gedreht. Fürs erste finde ich das Ergebnis garnicht so schlecht (siehe Anhang). Da mein Alu-Rohling aber nur minimal größer war als das fertige Produkt, hat mir der Kursleiter geraten, das nächste mal einen deutlich längeren Rohling zu verwenden und diesen auf Maß abzustechen, um mir das Umspannen zu sparen. Die beiden Stirnseiten des Adapters müssen ja 100% parallel sein, damit die Bremsscheibe später nicht eiert.

Nun höre / lese ich aber von verschiedensten Seiten, dass Abstechen sehr mit Vorsicht zu genießen ist und für Anfänger wenn möglich vermieden werden sollte...
Wie würdet ihr an die Sache herangehen? Neben mir liegt ein Alu-Zylinder mit 10cm Durchmesser und 7cm höhe.. .das fertige Teil soll nur ca. 25mm hoch sein...

Danke im Voraus

Basti
IMG_20190427_171824_1920x1080.jpg
Du hast keine ausreichende Berechtigung, um die Dateianhänge dieses Beitrags anzusehen.

Benutzeravatar
Brownie
Beiträge: 663
Registriert: 15. Feb 2014
Motorrad:: Moto Guzzi V65, BJ 1982
Harley FXST/C BJ 1988
Wohnort: Stuttgart-Neuwirtshaus

Re: Frage an die Dreher-Experten

Beitrag von Brownie » 10. Mai 2019

Moin
also wenn mit der Umspannmethode die beiden Flächen soweit auseinander sind dass die Scheibe nachher eiert, ist die Drehbank kaputt, oder das Backenfutter...ich würd es mit Umspannen machen...beim Spannen natürlich auf saubere Auflagefläche achten.
und ob die Fläche beim Abstechen besser wird bezweifle ich fast ein wenig....

Frag mich grad was es überhaupt groß zum Umspannen gibt, würde den Zylinder auf höhe 27 oder 28 absägen, einspannen, eine Fläche plandrehen, dann 1x umspannen, schruppen, auf Maß schlichten, mit dem Absatz, bohren bzw. innen ausdrehen, Teilapparat nehmen und Rundumbohrungen setzen, fertig. Oder irre ich? Hab mal drehen gelernt und war der Jahrgangsabschlussbeste Maschinenbaumechaniker im Enzkreis... :rockout: is aber schon ne Weile her... :versteck:
Zuletzt geändert von Brownie am 10. Mai 2019, insgesamt 1-mal geändert.
Bild

Benutzeravatar
sven
Beiträge: 1598
Registriert: 23. Jan 2016
Motorrad:: Yamaha/Cagiva

Re: Frage an die Dreher-Experten

Beitrag von sven » 10. Mai 2019

Gute Frage!

Also zuerstmal hat dein Kursleiter völlig recht, die beste Methode planparallele
Flächen zu erhalten ist sie in einer Aufspannung zu bearbeiten (das gilt
natürlich auch wenn es um Konzentrizität geht, das nur am Rande).
Dabei gibt es allerdings Folgendes zu beachten: du hast eine verhältnismäßig
große Stechtiefe, die schaffst du wahrscheinlich nur mit einem sog. Schwert,
das ist ein reichlich dünnes Blech mit einer Aufnahme vorn für die minimal
breitere Schneidplatte. Diese Werkzeuge neigen wenn die Platte nicht tiptop
ist zum Auswandern. Das Ergebnis wäre dann zwar guter Planlauf, aber eine
minimal konische Planfläche, was du nicht willst. Dazu kommt daß das Drehbild
mit Stechwerkzeugen praktisch nie so gut wird wie mit einem soliden Plandreh-
werkzeug (das ist wahrscheinlich zweitrangig da sie ohnehin unsichtbar ist aber
schön ist das nicht).
Wenn du es perfekt machen willst und genügend Material zur Verfügung hast
kannst du einen breiten Einstich herstellen (mehrfach nebeneinander vorstechen)
und dann mit einem linken Plandrehwerkzeug was da reinpasst einmal plan drüber-
zupfen.
Das ist aber imho unangemessen aufwendig. Ich würde das Teil einseitig vordrehen,
abstechen, umspannen und dann mit der Meßuhr auf Planlauf ausrichten. Dann kann
man die zweite Seite genauso bearbeiten wie die erste.
Ein Tip noch zum Abstechen: stich erstmal eine breitere Nut vor (ähnlich wie oben
beschrieben axial versetzt), dann neigt das Werkzeug nicht so arg zum Klemmen und die
Späne können besser raus.

Viele Grüße und viel Erfolg!
Sven
Power in the darkness!

meine XT

SebastianM
Beiträge: 1067
Registriert: 2. Sep 2015
Motorrad:: ..
Wohnort: Vaterstetten

Re: Frage an die Dreher-Experten

Beitrag von SebastianM » 10. Mai 2019

@Brownie: Die Drehmaschine (Weiler Condor) ist über jeden Zweifel erhaben. Ich bin der Unsicherheitsfaktor :)

Selbst wenn das Teil nach dem Umspannen nur um 3/100er "eiert", ist das an der Außenkante der Bremsscheibe schnell mal 1/10mm...
Klar, die Frage ist ob man so einen Fehler nicht einfach vernachlässigen kann....

Da der eigentliche Körper von dem Adapter nur 20mm dick ist, komme ich bei der Umspann-Methode mit dem Drehmeißel unweigerlich recht nah ans Futter... da kann natürlich einiges schief gehen... :unbekannt: :steinigung:

SebastianM
Beiträge: 1067
Registriert: 2. Sep 2015
Motorrad:: ..
Wohnort: Vaterstetten

Re: Frage an die Dreher-Experten

Beitrag von SebastianM » 10. Mai 2019

@Sven: Bei deiner vorgeschlagenen Methode kann ich meinen Rohling doch auch gleich auf 30mm absägen, einseitig bearbeiten, umspannen, per Messuhr ausrichten und dann die zweite Seite plandrehen?

Somit spare ich mir das Abstechen...

mfg
Basti

Benutzeravatar
sven
Beiträge: 1598
Registriert: 23. Jan 2016
Motorrad:: Yamaha/Cagiva

Re: Frage an die Dreher-Experten

Beitrag von sven » 10. Mai 2019

Im Prinzip ja, aber dann kannst du nach dem Umspannen den Planlauf nicht mehr kontrollieren
(oder nur schlecht), weil ja dann eine irgendwie eiernde gesägte Fläche bearbeitet wird. Die
liefert dir aber keinen Hinweis darauf was die schon bearbeitete Fläche im Futter macht.
Wenn du aber abstichst weißt du daß die beiden Planflächen "zueinander laufen".

edit: wenn du Bammel hast so weit abzustechen säg trotzdem wenn's geht (sprich das Futter es zuläßt)
nicht vorher ab sondern bearbeite das eine Ende vom Rohling, stich eine kleine Nut ein etwas hinter
der zweiten Planfläche und säg dann in der Nut ab. Dann hast du nach dem Umpannen außen einen
kleinen Bereich, nämlich die Flanke von der Nut, der zur anderen Planfläche läuft und an dem du dich
beim Ausrichten der 2. Aufspannung mittels Meßuhr orientieren kannst.
Verständlich?
Zuletzt geändert von sven am 10. Mai 2019, insgesamt 3-mal geändert.
Power in the darkness!

meine XT

SebastianM
Beiträge: 1067
Registriert: 2. Sep 2015
Motorrad:: ..
Wohnort: Vaterstetten

Re: Frage an die Dreher-Experten

Beitrag von SebastianM » 10. Mai 2019

Ich kann die messuhr doch auf die Außenfläche / Mantelfläche ausrichten?

Benutzeravatar
sven
Beiträge: 1598
Registriert: 23. Jan 2016
Motorrad:: Yamaha/Cagiva

Re: Frage an die Dreher-Experten

Beitrag von sven » 10. Mai 2019

Theoretisch ja, aber nur bei einer "Stange".
Bei der Geometrie deines Bauteils ("Scheibe")
hat das nur geringe Aussagekraft.

Hast du meinen Vorschlag "Vorstechen/Absägen" gesehen?
Power in the darkness!

meine XT

Macchina
Beiträge: 402
Registriert: 30. Dez 2018
Motorrad:: Moto Guzzi Le Mans II Bj. 1979
Ossa MAR 350 Bj. 1975
Moto TM 250 F Bj. 2007

Re: Frage an die Dreher-Experten

Beitrag von Macchina » 10. Mai 2019

Servus.
Beim Abstechen sehe ich die Gefahr, wie Sven beschrieben hat, des verlaufens des Schwerts. Frag doch da mal nach ob die „weich Backen“ haben. Du bearbeitest eine Seite, weiche Backen ins Dreibackenfutter, eine Stufe mit Planfläche in die Backen drehen. An dieser kannst du dan die schon bearbeitet Fläche Plan aufliegen lassen!
Gruß Christian
Haben ist besser als brauchen

SebastianM
Beiträge: 1067
Registriert: 2. Sep 2015
Motorrad:: ..
Wohnort: Vaterstetten

Re: Frage an die Dreher-Experten

Beitrag von SebastianM » 10. Mai 2019

@Sven : habe ich gelesen. Klingt gut!

Antworten

Zurück zu „Werkzeug | Technik | Werkstatteinrichtung“

windows