Re: Filmriss – Weiterfahrt mit zündfreiem Zylinder
Verfasst: 7. Apr 2021
Zunächst Danke für die Erfahrungen, Tipps und Ansichten zu dem Thema. Ich habe noch an anderen Stellen recherchiert, komme für mich zu folgenden Schluss.
Was die Schmierung angeht – die Rede ist hier nur vom Viertakter – sieht es so aus, dass die Schmierung zwischen Laufbahn und Kolben ausschließlich von untern erfolgt. Entweder wird das Öl von unten in den Kolben gespritzt, um gleichzeitig für bessere Kühlung zu sorgen, oder es wird durch die Kurbelwelle unter den Kolben und auf die Zylinderlaufbahn geschleudert. Von oben erfolgt keine Schmierung, im Brennbereich ist so gut wie kein Öl. Erledigt wird die Aufgabe in erster Linie durch den Ölabstreifring. Ist Öl im Brennraum vorhanden, z.B. durch einen Defekt des Abstreifrings, wird es - klar erkennbar am blauen Qualm - verbrannt (natürlich nur bei funktionierender Zündung). Qualmt es bei funktionierender Verbrennung nicht, bedeutet das, dass kein Öl im Brennraum vorhanden ist, was der gewünschte Normalfall ist. Der Bereich der Schmierung zwischen Kolben und Zylinder geht nur von der Unterkante des Kolbenhemds bis zum Ölabstreifring.
Die Schmierung zwischen Kolbenhemd und Laufbuchse erfolgt fortlaufend von unten, auch bei nicht vorhandener Zündung. Die Fläche zwischen Kolbenhemd und Laufbuchse wird permanent geschmiert. Die Theorie vom steten Tropfen greift hier nicht bzw. würde dann greifen, wenn Sprit im Brennraum kondensieren und sich ansammeln würde. Der Rand des Kolbens oberhalb der Ringpartie sowie der Kolbenboden haben mit der Schmierung nichts am Hut, der Durchmesser ist hier geringer als der des Kolbenhemds, eine Berührung des Kolbens zwischen dem Bereich oberhalb des unteren Kolbenrings mit dem Zylinder ist nicht vorgesehen. Schlussfolge dürfte sein, dass der nicht verbrannte Sprit bzw. Spritnebel nichts abwaschen kann, weil nichts da ist. Soweit meine Annahmen zu dem Sprit-wäscht-Öl-weg-Thema.
Eine mögliche Kondensation und Ansammlung des Sprits an der Zylinderwand würde ich bei den gegebenen erhöhten Temperaturen, die auch ohne Verbrennung im Zylinder alleine durch die Kompression entstehen und den hohen Gasdurchsatz, für ausgeschlossen halten.
Trotzdem ist sicherlich die Unterbrechung der Spritzufuhr zum betroffenen Zylinder beim Viertakter sinnvoll. Alleine schon, um kein unverbranntes Gemisch durch die Tröte in die Umwelt zu blasen. Darüber hinaus gibt es noch die Vermutung, dass unverbranntes Gemisch einen Katalysator schädigen kann, spielt bei unseren alten Karren aber keine Rolle. Beim Zweitakter führt die Unterbrechung der Spritzufuhr zum schnellen Tod.
Die Annahme, dass sich unverbranntes Gemisch im Auspuff entzünden kann, halte ich für zu weit hergeholt, sofern die Maschine mit moderatem Zug am Gas weitergefahren wird. Die Zündtemperatur von Benzin liegt bei Minimum 240 Grad Celsius. In dem einen oder anderen Fall denkbar, bei der Triumph und dem Ausfall des linken Zylinders nicht, weil der durch eine separate Tröte bläst. Bei anderen Konstruktionen ist das möglicherweise relevant. Klarheit würde hier nur eine Messung der Temperatur im Auspuffsystem bringen.
Was die mechanische Beanspruchung angeht, sprechen die hier gelieferten Erfahrungen für sich. Ich würde bei jedem alltagstauglichen Motor davon ausgehen, dass er den Ausfall eines Zylinders bzw. dessen Zündung ohne Folgeschäden bei moderater Drehzahl wegsteckt. Zu einer drehzahlabhängigen Belastung der beweglichen Komponenten habe ich nicht genug recherchiert. Vor Urzeiten habe ich meinen ollen Ford V4 wochenlang mit nur drei arbeitenden Zylindern bewegt. Ursache war nicht ein Ausfall der Zündung, sondern ein durchgebranntes Ventil. Nachdem ich das repariert hatte, hat der Motor noch jahrelang bestens funktioniert.
Interessant sicherlich die drei Videos am Anfang des threads. In dem ersten Video wird mit verschiedenen Kraftstoffen experimentiert, die unterschiedliche Verbrennungsenergie bleibt aber unberücksichtigt. In dem zweiten Versuch ist das Gemisch gnadenlos überfettet, daher keine vollständige Verbrennung und eine Anreicherung im Brennraum. So habe ich es zumindest interpretiert. Mit dem Blick auf den Ventiltrieb bei Drehzahlen im fünfstelligen Bereich ist nicht nur die verwendete Kamera überfordert, sondern auch das menschliche Auge. Faszinierend, dass das alles so funktioniert, dass die Ventilfedern die schnellen Wechsel mitmachen, ohne zu flattern.
Bei der weiteren Recherche fand ich noch eine Auflistung der Reibungsverluste nach Bauteilgruppen ganz interessant. Hat auch mit der ursprünglichen Fragestellung nichts zu tun, schärfte aber mein Verständnis von den Zusammenhängen. Kolben und Pleuel haben mit etwa 30% (Betrachtung bei 4000 U/min) den mit Abstand höchsten Anteil der Reibungsverluste im Motor, somit entsteht hier auch die höchste reibungsbedingte Wärmeabgabe.
Noch ein Hinweis auf die erwähnte Glaskugel. Ich habe unterwegs immer eine Handvoll Hühnerknochen im Tankrucksack. Sind preiswert, leicht, robust und funktionieren genauso zuverlässig wie ne Glaskugel.
Abschließend mein Reim auf die ursprüngliche Frage: Kann man machen, langsam gehenlassen, nach Möglichkeit die Spritzufuhr kappen (nicht beim Zweitakter), Kerze drin lassen wegen der Problematik mit Dreckpartikeln und der Zündspule. Und so schnell wie möglich die Fehlerquelle beheben.
Das aber auch nur, ohne die Hand dafür ins Feuer zu legen.
Möglicherweise habe ich irgendwelche Fakten unberücksichtigt gelassen, lasse mich in dem Fall gerne eines Besseren belehren.
Was die Schmierung angeht – die Rede ist hier nur vom Viertakter – sieht es so aus, dass die Schmierung zwischen Laufbahn und Kolben ausschließlich von untern erfolgt. Entweder wird das Öl von unten in den Kolben gespritzt, um gleichzeitig für bessere Kühlung zu sorgen, oder es wird durch die Kurbelwelle unter den Kolben und auf die Zylinderlaufbahn geschleudert. Von oben erfolgt keine Schmierung, im Brennbereich ist so gut wie kein Öl. Erledigt wird die Aufgabe in erster Linie durch den Ölabstreifring. Ist Öl im Brennraum vorhanden, z.B. durch einen Defekt des Abstreifrings, wird es - klar erkennbar am blauen Qualm - verbrannt (natürlich nur bei funktionierender Zündung). Qualmt es bei funktionierender Verbrennung nicht, bedeutet das, dass kein Öl im Brennraum vorhanden ist, was der gewünschte Normalfall ist. Der Bereich der Schmierung zwischen Kolben und Zylinder geht nur von der Unterkante des Kolbenhemds bis zum Ölabstreifring.
Die Schmierung zwischen Kolbenhemd und Laufbuchse erfolgt fortlaufend von unten, auch bei nicht vorhandener Zündung. Die Fläche zwischen Kolbenhemd und Laufbuchse wird permanent geschmiert. Die Theorie vom steten Tropfen greift hier nicht bzw. würde dann greifen, wenn Sprit im Brennraum kondensieren und sich ansammeln würde. Der Rand des Kolbens oberhalb der Ringpartie sowie der Kolbenboden haben mit der Schmierung nichts am Hut, der Durchmesser ist hier geringer als der des Kolbenhemds, eine Berührung des Kolbens zwischen dem Bereich oberhalb des unteren Kolbenrings mit dem Zylinder ist nicht vorgesehen. Schlussfolge dürfte sein, dass der nicht verbrannte Sprit bzw. Spritnebel nichts abwaschen kann, weil nichts da ist. Soweit meine Annahmen zu dem Sprit-wäscht-Öl-weg-Thema.
Eine mögliche Kondensation und Ansammlung des Sprits an der Zylinderwand würde ich bei den gegebenen erhöhten Temperaturen, die auch ohne Verbrennung im Zylinder alleine durch die Kompression entstehen und den hohen Gasdurchsatz, für ausgeschlossen halten.
Trotzdem ist sicherlich die Unterbrechung der Spritzufuhr zum betroffenen Zylinder beim Viertakter sinnvoll. Alleine schon, um kein unverbranntes Gemisch durch die Tröte in die Umwelt zu blasen. Darüber hinaus gibt es noch die Vermutung, dass unverbranntes Gemisch einen Katalysator schädigen kann, spielt bei unseren alten Karren aber keine Rolle. Beim Zweitakter führt die Unterbrechung der Spritzufuhr zum schnellen Tod.
Die Annahme, dass sich unverbranntes Gemisch im Auspuff entzünden kann, halte ich für zu weit hergeholt, sofern die Maschine mit moderatem Zug am Gas weitergefahren wird. Die Zündtemperatur von Benzin liegt bei Minimum 240 Grad Celsius. In dem einen oder anderen Fall denkbar, bei der Triumph und dem Ausfall des linken Zylinders nicht, weil der durch eine separate Tröte bläst. Bei anderen Konstruktionen ist das möglicherweise relevant. Klarheit würde hier nur eine Messung der Temperatur im Auspuffsystem bringen.
Was die mechanische Beanspruchung angeht, sprechen die hier gelieferten Erfahrungen für sich. Ich würde bei jedem alltagstauglichen Motor davon ausgehen, dass er den Ausfall eines Zylinders bzw. dessen Zündung ohne Folgeschäden bei moderater Drehzahl wegsteckt. Zu einer drehzahlabhängigen Belastung der beweglichen Komponenten habe ich nicht genug recherchiert. Vor Urzeiten habe ich meinen ollen Ford V4 wochenlang mit nur drei arbeitenden Zylindern bewegt. Ursache war nicht ein Ausfall der Zündung, sondern ein durchgebranntes Ventil. Nachdem ich das repariert hatte, hat der Motor noch jahrelang bestens funktioniert.
Interessant sicherlich die drei Videos am Anfang des threads. In dem ersten Video wird mit verschiedenen Kraftstoffen experimentiert, die unterschiedliche Verbrennungsenergie bleibt aber unberücksichtigt. In dem zweiten Versuch ist das Gemisch gnadenlos überfettet, daher keine vollständige Verbrennung und eine Anreicherung im Brennraum. So habe ich es zumindest interpretiert. Mit dem Blick auf den Ventiltrieb bei Drehzahlen im fünfstelligen Bereich ist nicht nur die verwendete Kamera überfordert, sondern auch das menschliche Auge. Faszinierend, dass das alles so funktioniert, dass die Ventilfedern die schnellen Wechsel mitmachen, ohne zu flattern.
Bei der weiteren Recherche fand ich noch eine Auflistung der Reibungsverluste nach Bauteilgruppen ganz interessant. Hat auch mit der ursprünglichen Fragestellung nichts zu tun, schärfte aber mein Verständnis von den Zusammenhängen. Kolben und Pleuel haben mit etwa 30% (Betrachtung bei 4000 U/min) den mit Abstand höchsten Anteil der Reibungsverluste im Motor, somit entsteht hier auch die höchste reibungsbedingte Wärmeabgabe.
Noch ein Hinweis auf die erwähnte Glaskugel. Ich habe unterwegs immer eine Handvoll Hühnerknochen im Tankrucksack. Sind preiswert, leicht, robust und funktionieren genauso zuverlässig wie ne Glaskugel.
Abschließend mein Reim auf die ursprüngliche Frage: Kann man machen, langsam gehenlassen, nach Möglichkeit die Spritzufuhr kappen (nicht beim Zweitakter), Kerze drin lassen wegen der Problematik mit Dreckpartikeln und der Zündspule. Und so schnell wie möglich die Fehlerquelle beheben.
Das aber auch nur, ohne die Hand dafür ins Feuer zu legen.
Möglicherweise habe ich irgendwelche Fakten unberücksichtigt gelassen, lasse mich in dem Fall gerne eines Besseren belehren.