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Anleitung zur fachgerechten Reparatur von Verkleidungsteilen

Modifikationen an Rahmen, Tank, Verkleidungen, Höcker, Sitzbank, Fender etc.
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RDThorsten
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Anleitung zur fachgerechten Reparatur von Verkleidungsteilen

Beitrag von RDThorsten » 1. Aug 2013

Moin Jungens und Mädels,
ich möchte hier in dieser Ecke auch mal etwas zum Besten geben. Bislang hatte ich mich in dieser Ecke ja zurückgehalten.

Ich möchte Euch einmal aufzeigen, wie man dauerhaft haltbar Verkleidungsteile repariert. Ich schraube ja nun schon seit über 30 Jahren an Motorrädern rum und habe da schon so einiges ausprobiert. Einiges funktioniert, vieles nicht. Den Kleber, der vom Ursprung her nicht zum reparieren von Verkleidungsteilen hergestellt wurde, empfahl mir vor ca. 15 Jahren ein mir persönlich bekannter Tierarzt, der seit gefühlt 50 Jahren Oldtimer restauriert.

Es geht um den Kleber mit den Namen Technovit 6091. Man bekommt den Kleber in jedem Landhandel, bei Ebay oder sonst wo im Netz. Kostenpunkt ca. 25 – 30 Euro. Der Tierarzt klebt damit Oldtimer und ab und an auch Klauen, Hufe usw..

Technovit ist ein schnellhärtender Kunststoff auf der Basis Methylmethacrylat in Form von Pulver und Flüssigkeit. Technovit ist ein Hilfsmittel für die Klauen- und Hufbehandlung.

Die Vorteile von Technovit 6091:
- schnelle Aushärtungszeiten, nicht klebende Oberfläche nach Aushärten
- individuelles Modellieren möglich
- widerstandsfähig gegen Säuren, Laugen, Verunreinigungen...
- lösbar in Chloroform und Aceton
- einfache mechanische Bearbeitung möglich
- Verkürzung des Heilungsprozesses 

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Ich habe mit dem Kleber schon so einige Experimente durch. Das schöne ist, dass der Kleber innerhalb von 3-4 Minuten hart wird. In der Übergangsphase kann man den Kleber, nachdem man etwas Wasser mit Priel drübergesprüht hat, wie Knetgummi modellieren und z.B. auch in eine Bohrung drücken.

Nach ca. 15 Minuten (je nach auftragsdicke) ist der Kleber so hart, dass er problemlos geschliffen werden kann. Von der Konsistenz her ist er dann etwas härter als ABS.

Die ersten Experimente an Verkleidungsteilen machte ich vor ca. 15 Jahren. 2004 restaurierte ich dann meine TDR250. Die gesamten Teile waren rissig ohne Ende. Ihr kennt das ja. Ich habe alles mit Technovit repariert. Die TDR habe ich heute noch und bin in den letzten Jahren ca. 10.000 Kilometer mit dem Moped gefahren. Sämtliche Klebungen halten noch immer und machen auch nicht den Eindruck als müsste nachgearbeitet werden. Ich behaupte mal das Zeigs klebt gut. Ich habe allerdings sämtliche Befestigungspunkte in Gummi gelagert. Eine Gummischeibe zwischen Rahmenteil und Verkleidungsteil, eine weitere Gummischeibe auf das Verkleidungsteil, dann eine etwas größere VA-U-scheibe und dann die Schraube. Das A&O ist das „handwarme“ anziehen. Bislang keine weiteren Risse und auch keine Schrauben verloren.

Als ich bei der Alpentour die rechte Verkleidung einer TDR sah, dachte ich mir, die hat es nötig und da kann ich ja mal alles schön dokumentieren. Ich habe jeden Schritt meiner Arbeiten fotografiert.

Als besondere Aufgabe war hier das Problem zu lösen, das ein Stück der Verkleidung vollständig herausgebrochen war. Hier musste etwas getan werden:

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Es wurden hier auch schon einige Reparaturversuche vorgenommen:

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Ich habe dann einmal kräftig gepustet und dann war Thema auch schon erledigt:

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Wenn man mit den Arbeiten beginnt, sollte man die Verkleidung zunächst gründlich reinigen und genau untersuchen. Manche Risse kommen erst zum Vorscheinen, wenn man die Verkleidungsteile etwas biegt:

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Nun bohrt man zunächst am Ende des Risses ein Loch. Das ist sehr wichtig. Damit nimmt man die Spannung heraus und der Riss kann nach der erfolgten Klebung nicht weiter wandern. Das sollte man auch bei seinem Moped einmal beobachten. Sobald man Rissbildung beobachtet, am Ende ein kleines Loch, ca. 3mm bohren. Dann reißt es nicht weiter. Mit dem Dremel schleift man nun auf jeder Seite der Verkleidung einen kleinen Graben. Ich brauche für eine gute Klebung auf jeder Seite des Risses eine v-förmige Fuge. Der Riss muss auch vollständig durchgestoßen werden. Damit der Kleber guten Kontakt zur unter und Oberseite des Klebers hat. Er soll sich in der Mitte treffen! Hier könnt ihr ruhig großzügig mit dem Dremel arbeiten:

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Nun habe ich zunächst die Rückseite geklebt. Dazu ist es notwendig die Vorderseite mit Klebeband zu bekleben, damit der Kleber nicht auf den Küchentisch läuft. :shock: Vorher Entfetten nicht vergessen!

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Nun rühre ich den Kleber an. Etwas Pulver und die Flüssigkeit. Das Pulver nicht mit dem Geldschein vernichten, sondern schön verrühren. Macht die Mischung nicht zu dick, etwas dünner fließt besser und wird nicht so schnell hart:

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Nun den Kleber großflächig und dick verteilen.

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Und nach ca. 15 Minuten die Vorderseite:

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Ggf. Kann man nach der ersten Klebung nochmals kleben. Ich trage immer reichhaltig auf. Damit erspart man sich das Spachteln. Das Material lässt sich sehr schön schleifen.

Nun musste ich die heraus gebrochene Stelle rekonstruieren. Ich habe es mit einer Pappschablone gemacht. Das eingesetzte Material ist hart PVC. Ich arbeite viel damit. Kann man in der Bucht Quadratmeterweise kaufen. Stärke 5mm:

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Nachdem nun alle Teile in mehreren Schritten geklebt wurden, kann geschliffen werden:

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Mir fiel dann noch auf, dass das Loch für die obere Befestigungsschraube mal aufgebohrt wurde. Auch hier einfach Klebeband drunter und mit Kleber ausgießen:

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Schlussendlich sollte man die Teile nun von einem Lackierer weiter bearbeiten lassen. Ich habe das Dekor sauber abgeklebt und mit der Spraydose lackiert. Das Ergebnis war für ein Provisorium zufriedenstellend:

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FEZE
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Re: Anleitung zur fachgerechten Reparatur von Verkleidungste

Beitrag von FEZE » 1. Aug 2013

So geht´s, kannte nur den von Dir fovorisierten Kleber nicht.
Whoosenose?

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Re: Anleitung zur fachgerechten Reparatur von Verkleidungste

Beitrag von 7StarMantis » 1. Aug 2013

Moin Thorsten,

super, ich bin begeistert! Ich finds immer cool, wenn Leute mit Erfahrung diese auch weitergeben!
Danke für diesen Betrag!

Gruß
Dominik
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Re: Anleitung zur fachgerechten Reparatur von Verkleidungste

Beitrag von f104wart » 1. Aug 2013

Super, vor allem hat man jetzt auch gleich ein Mittel in der Werkstatt, mit dem man nicht nur Verkleidungsteile, sondern auch eingerissene Fingernägel flicken und verschleifen kann, um nicht ständig daran hängen zu bleiben. .daumen-h1:

...Kein Witz:

Der blaue Daumennagel klopft übrigens weniger, wenn man ein Loch durch den Nagel bohrt, durch das der Druck entweichen kann. http://www.operation-pro.de/Fingernagel ... etzung.htm


DLzG Ralf

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Re: Anleitung zur fachgerechten Reparatur von Verkleidungste

Beitrag von Nille » 1. Aug 2013

Cool, vielen Dank. Hab noch nie von dem Zeug gehört, werde ich mir auf jeden Fall zulegen.
Wie flexibel ist das denn? Bin eher der GFK-Typ (bis jetz :) ) , von daher wüder mich Interessieren der "kleber" sich verhält wenn man z.b Teile die unter leichter Spannung eingebaut werden (z.b oftmals Seitendeckel) damit flickt.

Klasse dass du dir die Mühe gemacht hast.

Gruß, Mark

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Re: Anleitung zur fachgerechten Reparatur von Verkleidungste

Beitrag von vanHans » 1. Aug 2013

Das finde ich auch gut :rockout: . Und von dem Zeug hab ich auch noch nie gehört, Supertip
Hansi
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halbtroll

Re: Anleitung zur fachgerechten Reparatur von Verkleidungste

Beitrag von halbtroll » 2. Aug 2013

Moin Thorsten,

toller Tip, sauber rübergebracht. :beten:

Danke dafür

der halbtroll

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RDThorsten
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Re: Anleitung zur fachgerechten Reparatur von Verkleidungste

Beitrag von RDThorsten » 2. Aug 2013

Ich habe den Beitrag ursprünglich für das RD350LC Forum geschrieben. Dort haben wir eine Rubrik FAQ. Dort stehen viele Anleitungen zur Behandlung von Problemen. Eventuell wäre das hier ja auch mal anzuregen. Gugsdu:

http://www.rd350lc.de/forum/viewforum.php?f=28
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Re: Anleitung zur fachgerechten Reparatur von Verkleidungste

Beitrag von Kaffeepause » 7. Sep 2013

Halllo Thorsten, habe mir das Technovit besorgt, da ich mir eine XTZ 750 Tenerè zugelegt habe, war sehr preiswert, jedoch haben fast alle Verkleidungsteile , feine bis grobe Risse. :(

Den ersten Riss habe ich schon repariert, und muß sagen; ein geiles Zeug,nur ein paar Frage habe ich noch.

Auf dem vierten und fünften Foto hast Du einen kompletten Bruch in der Hand, wie repariert Du, wenn Du zwei Teile in den Händen hälst. :?:

Auf einen Foto hast Du ein zusätzliches Kunststoffstück eingearbeitet, wie bist Du da vorgegangen. :?:

..danke noch mal für den Tip... .daumen-h1:

Frank
Wenn der Metzger sich mal einen Salat macht, ist er lange noch nicht ein Gärtner....

Bonnie T140V : viewtopic.php?f=57&t=239

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Re: Anleitung zur fachgerechten Reparatur von Verkleidungste

Beitrag von f104wart » 7. Sep 2013

Hallo Frank,

bei Rissen sollte man am Ende des Risses eine kleine Bohrung setzen. So wird verhindert, dass der Riss weiter wandert.

Eine 2,5 mm Bohrung reich schon aus. Wichtig ist, dass die Bohrung wirklich ganz am Ende sitzt, damit der Riss nicht hinter der Bohrung weiter geht. Lieber 1-2 mm hinter dem Riss bohren, damit der Riss in die Bohrung rein läuft und dann gestoppt wird.

Das gilt bei allen Materialien, egal ob Blech, Plexiglas, GFK oder was weiß ich noch was.

LG Ralf

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